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Archäologische Ausgrabungen 2015 in Ingelheim


Bild von Ingelheim im Frühmittelalter nimmt weiter Gestalt an

Ausgrabung Mainzer Straße/Ottenenstraße | © 

Das Jahr 2015 hielt umfangreiche und erkenntnisreiche Ausgrabungsprojekte für die Archäologen der Forschungsstelle Kaiserpfalz Ingelheim bereit. Deren Ergebnisse stellten Oberbürgermeister Ralf Claus, Beigeordnete Irene Hilgert und das Forscherteam – Holger Grewe, Matylda Gierszewska-Noszczynska und Piotr Noszczynski – nun der Öffentlichkeit vor. Die beiden Hauptgrabungen, welche in der Mainzer Straße und in der Rotweinstraße in Nieder-Ingelheim stattfanden, förderten weitere neue Erkenntnisse zur Merowingerzeit in Ingelheim zu Tage. Damit gewann diese bis vor kurzer Zeit wenig durchleuchtete Epoche der Ingelheimer Stadtgeschichte erneut an Konkretion.

Das umfangreichste Ausgrabungsprojekt fand von Mai bis Oktober in der Mainzer Straße statt. Dort untersuchte die Forschungsstelle vor Baubeginn ein Areal, das für die Errichtung von Wohnbebauung durch die Wohnungsbaugesellschaft Ingelheim vorgesehen ist. Bei der 2400qm großen Fläche handelt es sich um die bisher größte archäologische Baufelduntersuchung in Ingelheim. Im Interesse der Forschung stand das Gelände deshalb, weil an dieser Stelle ein frühmittelalterlicher Siedlungsbereich der Kaiserpfalz Ingelheim vermutet wurde. In unmittelbarer Nachbarschaft waren Siedlungsspuren aus dieser Zeit schon in den 1990er Jahren beim Bau der Ottonenstraße entdeckt worden. Daher wurde Dank der engen Abstimmung aller Beteiligten bei der Planung des Bauvorhabens von Anfang an ein ausreichend großes Zeitfenster für archäologische Grabungen eingeplant.
Die erhofften Reste einer frühmittelalterlichen Siedlung fanden sich nun auch auf dem diesjährigen Grabungsgelände zwischen Ottonenstraße und Mainzer Straße. Es war bis vor kurzem mit Wohnhäusern bebaut und konnte nun erstmals archäologisch erforscht werden. Zunächst stieß die Forschungsstelle auf die Vorgängerbauten der vor wenigen Monaten abgerissenen Wohnhäuser, deren älteste Spuren sich bis in die Zeit um 1500 zurückverfolgen ließen. In den tieferen Schichten kamen dann die im Fokus stehenden Reste des Frühmittelalters zu Tage. Drei bis vier Grubenhäuser, die als Werkstätten und Lagerhäuser dienten, konnten entdeckt werden. Ihre Entstehungs- und Nutzungszeit lag im 7. Jahrhundert. Die Häuser gehören damit in die gleiche Zeit wie der älteste Vorgängerbau der St. Remigiuskirche und das frühmittelalterliche Gräberfeld in der Rotweinstraße.

Ausgrabung Mainzer Straße/Ottenenstraße | © 

An diesem Gräberfeld fand die zweite große Grabung des Jahres statt. Ebenfalls ausgelöst durch eine bevorstehende Baumaßnahme wurden in der Rotweinstraße 200qm des bereits bekannten Gräberfeldes abschließend untersucht. Wie bereits berichtet, waren die vier gefundenen Gräber beraubt und daher weitgehend ohne Fundmaterial. Eine spektakuläre Ausnahme bildete ein wertvoller Fingerring, dessen Material durch eine Restaurierung inzwischen gesichert bestimmt werden konnte. Er besteht aus zwei Teilen unterschiedlichen Alters: Einem Silberring aus der Merowingerzeit (7. Jahrhundert) und einem großen Schmuckstein aus dem 1. bis 3. Jahrhundert. Der Achat zeigt ein außergewöhnliches Motiv: Eine Gans samt Tranchiermesser wurde in den Stein geritzt – ein Sinnbild für das Luxusleben der römischen Oberschicht. Seine Wiederverwendung zeugt von der Wertschätzung der Merowinger von Kunst und Kunsthandwerk der Antike.
Das Grab, aus dem der Ring stammt, hat einen auffallend großen Abstand zu den übrigen Gräbern. Solche besonderen Gräber waren häufig durch Grabhügel, sogenannte Tumuli, kenntlich gemacht. Solch eine Grabform wird von der Forschungsstelle nun auch für dieses Grab erwogen.

Neben den beiden Flächengrabungen in der Mainzer Straße und der Rotweinstraße waren die Archäologen der Forschungsstelle auch 2015 wieder im Rahmen des sogenannten archäologischen Stadtkatasters tätig. Hierbei werden vor oder während Baumaßnahmen in historisch relevanten Bereichen des Stadtgebiets die Arbeiten archäologisch begleitet, um bodendenkmalpflegerische Belange zu wahren. Hierzu waren die Wissenschaftler am Winzerkeller in Nieder-Ingelheim im Einsatz sowie mehrfach an der Ortsbefestigung Großwinternheim.

Der Ausblick auf die archäologischen Aktivitäten im Jahr 2016 verspricht die Möglichkeit einer Forschungsgrabung in der Kernzone der Kaiserpfalz Ingelheim. An der nordöstlichen Ecke der Aula regia konnte die Stadt Ingelheim ein Grundstück erwerben, in dessen Hof ab dem Frühjahr 2016 für die Dauer einer Kampagne Ausgrabungen beginnen werden. Das Gelände ist von außerordentlich hohem Interesse für die Wissenschaftler, da dieser Bereich am Rande der Thronhalle Karls des Großen noch nie untersucht werden konnte. Die Archäologen erhoffen sich, Nebengebäude oder Anbauten der Aula regia zu finden oder Hinweise auf die bisher spärlich bekannte Innenhofbebauung der Kaiserpfalz.


Ausgrabung Mainzer Straße/Ottenenstraße | © 
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